Politische Matinée: Zum Einfluss der Pharmaindustrie auf Gesundheit und Medizin (Dr. Martin Roser)
Datum: Samstag, 01. Februar 2014, 11:00 Uhr
Typ: Infoveranstaltung
Ort: Esslingen a. N., Dieselstraße 26 (Kulturzentrum DIESELSTRASSE)
Mehr Informationen
Politische Matinée: Zum Einfluss der Pharmaindustrie auf Gesundheit und Medizin (Dr. Martin Roser)
Die Pharmazeutische Industrie gehört weltweit zu den
einflussreichsten Wirtschaftsbereichen. Den größten Anteil am
Weltpharma-Markt hat Nordamerika; innerhalb Europas (Rang 2) macht die
deutsche Pharmaindustrie die größten Umsätze: Für 2014 werden 43,6
Mrd. Euro prognostiziert - Tendenz steigend. Ein bedeutender Anteil
dieses Umsatzes wird wieder in die pharmazeutische Forschung und
Entwicklung investiert. Dabei überlassen die Pharmakonzerne nichts
dem Zufall: Sie vergeben systematisch Auftragsstudien und beeinflussen
mit der Veröffentlichung von Studienergebnissen in medizinischen
Fachzeitschriften die fachliche Diskussion. Sie betreiben
Gesundheits-Internetseiten und beschäftigen eigene Autoren, die
interessengeleitete Meldungen produzieren. Zu beobachten ist, dass
Befindlichkeitsstörungen zu behandlungsbedürftigen Krankheiten
erklärt und Gefährdungen teilweise verzerrt dargestellt werden.
Darüber hinaus werden auch Patientenorganisationen gezielt
gesponsert. In Deutschland besuchen 15.000 PharmavertreterInnen
mehrfach im Jahr die ihnen zugeteilten Arztpraxen und Krankenhäuser.
Werbung für meist neue und teurere, aber nicht unbedingt bessere
Medikamente ersetzt dabei häufig seriöse medizinische Information.
Neben der Produktwerbung verteilen die Pharmareferenten Geschenke und
laden auch mal zum Essen ein. Sie bezahlen Fortbildungs- und
Reisekosten für Ärzte und Pflegekräfte und sorgen damit für „die
richtigen Themen“. Mit Honoraren für Anwendungsbeobachtungen und
Vorträge oder andere geldwerte Leistungen wird das ärztliche
Verschreibungsverhalten zudem direkt und indirekt beeinflusst. Seit
einigen Jahren gelten zwar schärfere Sponsoring-Regeln, doch diese
Form der Zusammenarbeit mit den Pharmaunternehmen gehört zum normalen
Alltag vieler Kliniken und Arztpraxen. Im Vortrag wird der Referent
diese Aspekte und deren Auswirkungen beleuchten; er diskutiert, welche
praktischen Forderungen sich daraus ergeben.
Dr. Martin Roser ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
sowie Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und der
Abteilung Rehabilitation psychisch Kranker der Rudolf-Sophien-Stift
gGmbH
Eine Veranstaltung der AG Politische Matinée in Kooperation mit
Kulturzentrum Dieselstraße Esslingen und ESIG – Esslinger
Initiative für Gemeinsinn e. V.
Eintritt frei, Spende erbeten
11 - 13 Uhr
Esslingen a. N., Dieselstraße 26 (Kulturzentrum DIESELSTRASSE)


